Bibelübersetzung in Theorie und Praxis

Authors:
Date:
2011
Abstract:
The topic of this thesis is Bible Translation which constitutes a complex communication model. Within this framework it unites the divine Initiator and His human partners in the activity of translation. Bible Translation is considered both a specific translation as well as a recently developing science which combines communication theory, linguistics, anthropology, social sciences, theology and missiology. Within this framework, Bible Translation represents the churches’ tool to understand and pass down Scripture. New translations enable it to remain intercultural and by revisions help overcome language and culture shifts. Beyond that Bible Translation proves itself to be the only divine examination tool given to the church as a body and the individual Christian as an authentication and instruction, thereby setting up the framework of Divine communication. The incarnational translation principle resulting from the initial trigger of Incarnation (becoming flesh), Condescendence (coming down) and Kenosis (emptying himself), forms the elemental point of Bible Translation. Whereas the Incarnation of Christ represents the divine part of the communication process (chapter 1 and 4), the anthropocentric task is composed of researching beneficial ways to communicate the Scripture worldwide (chapter 2). For this reason the science of Bible Translation looks with favour upon linguistics and communication theoretical models (such as Scopos and functional theory, literal, cultural and mass communication approaches, as well as relevance theory). These models impact in and on the teaching of Bible Translators, serving as indicators for their efficiency in disseminating Scripture through new translations or revisions (chapter 3). The main purpose of Bible Translation as a science is the bridging of crosscultural, interlingual and interdenominational gaps, as is illustrated by an anthropological study about a translation project from a people group in Turkey, the Zaza people (chapter 3). The framework for divine communication is represented in Missio Dei as the sending of God himself, in Missio Christi as the plan of its fulfilment and Missio Spiritus as its realization. Thus, Bible Translation forms a missiological and theological concept.
Untersucht wird die Bedeutung der Bibelübersetzung als missiologisch-theologisches Konzept. Bibelübersetzung wird hier sowohl als individuelle Übersetzung der Heiligen Schrift, als auch im Sinne einer fachübergreifende, wissenschaftliche Disziplin verstanden. Die Arbeit repräsentiert einen holistischen Zugang zum Thema, indem neben einer theoretischen Besprechung der Grundlagen von Bibelübersetzung ein Projekt konkret aufgeführt ist um dem Leser Einblicke in den Forschungsgegenstand zu bieten. Zur Heranführung an das Thema ist die Einbindung der Bibelübersetzung in der gegenwärtigen theologisch-missiologischen und linguistischen Ausbildung von Bedeutung. Diesem deduktiven Zugang entsprechend wird die Thematik am Beispiel der Diskussion um Theorie und Praxis verschiedener Kommunikations- und Übersetzungsmodelle innerhalb der Bibelübersetzung aufgezeigt. Den praktischen Bezug zur gestellten Thematik bildet das Übersetzungsprojekt in die Sprache der Zaza, worin die theoretische Aussage dieser These anhand der Praxis gestützt wird. Es wird aufgezeigt dass der „Bibelübersetzung“ in der gegenwärtigen Missiologie noch keine klare Verortung zugewiesen ist sowie ihr Beitrag innerhalb der Missiologie als interdisziplinärem Fachbereich nicht genügend Beachtung fand und findet. Diesen Forschungslücken möchte sich diese Untersuchung annehmen. Da bis heute noch keine oder nur ansatzweise eine Verknüpfung der Wissenschaft zur Bibelübersetzung mit den modernen linguistischen Erkenntnissen, die sich in verschiedenen Modellen darstellen, vorgenommen wurde (s. Stolze unter Pkt. 2.2.9.1), bildet dies einen weiteren Teil dieser Arbeit. Diesem Ziel entsprechend sind die Darstellungen gegenwärtiger Modelle zur Kommunikation sowie deren Bedeutung für die Ausbildung in der Bibelübersetzung und der Praxis in einem konkreten Übersetzungsprojekt nötig. Dadurch wird die Funktion und Einordnung der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Bibelübersetzung in der Missiologie und Theologie1 verdeutlicht. Diese Untersuchung führt zu einem Anwendungskatalog wie die Vielfalt der Modelle für die Bibelübersetzer nutzbar gemacht werden können. Anders ausgedrückt soll als Folge einer möglichen Einordnung der Wissenschaft zur Bibelübersetzung in die Missiologie und ihrer angrenzenden Fachbereiche die Frage geklärt werden, welches Modell bzw. welche Modelle der Kommunikation oder Übersetzung in welchem Projekt wie Verwendung finden könnte. Dabei plädiert der Verfasser dafür ein Modell anzuwenden, welches ein Substrat aus den nützlichsten Anwendungsfaktoren der hier vorgestellten Ansätze bildet. Dies entspricht der gegenwärtigen Tendenz zur Nutzung von sogenannten Mischmodellen (s. Kap. 3.3). Wissenschaft der Bibelübersetzung wie sie in dieser Arbeit verstanden wird, fußt auf enger Verbindung zu Linguistik, Ethnologie, Missiologie, Theologie und den Sozialwissenschaften. Diese Fachgebiete, mit Schwerpunkt auf den ersten drei, bilden den Untersuchungsrahmen. Die Darstellung der Interdisziplinarität der Wissenschaft zur Bibelübersetzung bildet einen Schwerpunkt dieser Promotionsarbeit. Zur Gliederung der Arbeit wurde zwischen einem Makro- und Mikrozugang unterschieden. In Kapitel 1 wird einleitend mit einer Darstellung der Verortung von Bibelübersetzung und ihrem interdisziplinären Auftrag die Gesamtfragestellung im Sinne eines Makroüberblicks aufgeworfen. Kapitel 4 schließt den Rahmen dieser These, indem Lösungsmöglichkeiten für eine angemessene Bewertung von Bibelübersetzung in der Missiologie vorgeschlagen werden. Bibelübersetzung wird als Teil der missiologischen Strategie betrachtet (Hill 2006:180), jedoch gleichzeitig auch als Grundlage und Hauptanliegen der Indigenisierung des Evangeliums in den Ethnien (Walls 2006:27). Auf dieses Vorgehen ist auch zurück zu führen, dass in Kapitel 1 verschiedene Themenblöcke (z. B. Inspiration, interdisziplinäre Disziplin, Inkarnation etc.) besprochen werden, die im Kapitel 4 im Hinblick auf die göttliche Sendung (Missio Dei) erneut auftauchen. Aus diesem Grund bilden Kapitel 1 und 4 den Rahmen der Untersuchung, die unter folgendem Motto zusammengefasst werden kann: Bibelübersetzung – Brückenkopf der Missiologie! Die fundamentale Herausbildung des „inkarnatorischen Übersetzungsprinzips“ wird als Grundlage der Bibelübersetzung herausgearbeitet. In Kapitel 2 und 3 richtet sich der Blick, gleich einer mikroskopischen Untersuchung, auf die Inhalte und Bestandteile menschlicher Kommunikation und der Bibelübersetzung. Ausführliche Begriffsbestimmungen stellen den Versuch dar, die Forschungslücke zu schließen, die sich in der derzeitigen zerklüfteten Meinungsvielfalt zu einzelnen Fachbegriffen bemerkbar macht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt, dem Forschungsthema gemäß, auf den derzeitigen Diskussionen innerhalb der Bibelübersetzung und deren „Kommunikations“-Modellen. Diese umfassen zum einen Inhalt, Kritik und praktische Verwendung von Bibelübersetzung im Rahmen der Wissenschaft zur Kommunikation und Übersetzung. Zum anderen wird der praktische Bezug durch die Darstellung eines konkreten Projektes der Bibelübersetzung hergestellt. Dieser Mikrozugang soll veranschaulichen welchen Problemen die Wissenschaft der Bibelübersetzung ausgesetzt ist. Das Motto für diesen Teil stellt folgende Aussage dar: Bibelübersetzung – bewährt in Theorie und Praxis! Das zweigeteilte Vorgehen ermöglicht es, die wissenschaftliche Verortung der Bibelübersetzung aufzuzeigen (Mikrozugang) und ihre Bedeutung für die Christenheit, im Rahmen der missiologischen Forschung, hervorzuheben (Makrozugang; s. Schaubild 1 und 22). Schlüsselwörter: Äquivalenz, Bibelübersetzung, Christentum, christlich, dynamisch-äquivalent, Ethnologie, Funktional-Modell, Hermeneutik, Inferenz, Inkarnation, Islam, Kode-Modell, Kultur, Kommunikation, Linguistik, Massenkommunikation, Missiologie, (Ver-) Mittler, Modell der Kommunikation, Modell der Übersetzung, Relevanz-Theorie (RT), Skopos- Modell, Sprache, Theologie, Text, Übersetzerausbildung, Wissenschaft der Kommunikation, Wissenschaft der (Bibel) Übersetzung, (wort-) wörtlich, Zaza(ki).
Extent:
605 p.
Table of Contents:
Zusammenfassung....... 4 Vorwort ... 7 Inhaltsübersicht......... 15 Abkürzungsverzeichnis ...... 18 Schaubildübersicht.... 21 1 Bibelübersetzung – Inhalt und Standort........ 22 1.1 Kommunikation – wissenschaftliche Mitte und Mittel...... 22 1.1.1 Kommunikation, Übersetzung und Zeitgeist ...... 23 1.1.2 Standort der Wissenschaft zur Bibelübersetzung............ 24 1.1.3 Ausbildungsorientierte Verortung der Bibelübersetzung........ 25 1.2 Wegweisende Ausbildung in der Übersetzung ........... 26 1.2.1 Inhalte ...... 27 1.2.2 Ausbildungsrelevante Modelle ...... 28 1.2.3 Orientierung und Ausrichtung ...... 29 1.3 Interdisziplinärer Zugang .......... 30 1.3.1 Stellung der Bibelübersetzung in der Missiologie .......... 30 1.3.2 Bibelübersetzung – kraftvoll und aktuell... 31 1.3.3 Enge Verknüpfung zur Kommunikationslehre ... 31 1.4 Intention, Reflexion und hermeneutischer Bezug...... 32 1.4.1 Übersetzungsintention – Revisions- oder Neuübersetzung ..... 33 1.4.2 Missiologisch-theologische Reflexion....... 35 1.4.3 Hermeneutik und Bibelübersetzung .......... 40 1.5 Modellübersicht und Hauptströmungen........ 44 1.5.1 Entwicklungen und Strömungen.... 44 1.5.2 Modellüberblick ......... 45 1.6 Zusammenfassung - Mandat zur Bibelübersetzung .......... 46 2 Wissenschaft der Kommunikation und Übersetzung ........ 48 2.1 Einleitende Vorüberlegungen .... 48 2.2 Bibelübersetzung - äußere Rahmenbedingungen ...... 49 2.2.1 Wissenschaft zur Kommunikation ............. 50 2.2.2 Kommunikation – individuell und disziplinabhängig ..... 56 2.2.3 Prinzipien der Kommunikation - Konversationsmaxime (Grice)...... 62 2.2.4 Sprache..... 66 2.2.5 Wissenschaft der Übersetzung – jung und kulturübergreifend......... 75 2.2.6 Übersetzung und Übersetzen......... 76 2.2.7 Der Übersetzer – Akteur zwischen Kommunikationssystemen ......... 87 2.2.8 Text – ein umfassender Begriff...... 95 2.2.9 Bibelübersetzung – innere Rahmenbedingungen ............ 98 2.2.10 Schwerpunkte der Debatte um „moderne Bibelübersetzungen“ .... 109 2.2.11 Zusammenfassung – Definitionen ........... 111 2.3 Modelle der Kommunikation und Übersetzung....... 112 2.3.1 Historischer Überblick - Abhängigkeiten ........ 113 2.3.2 Informationsmodell (Shannon und Weaver) .... 117 2.3.3 Dynamische oder funktionale Äquivalenz - Kode-Modell (Nida) ... 123 2.3.4 Skopos – Skopos-Modell (Reiß & Vermeer)..... 136 2.3.5 Funktionales Übersetzen (Nord) ............. 142 2.3.6 Kulturbezogenes Kommunikationsmodell (Katan) ....... 151 2.3.7 Massenkommunikation (Maletzke, McQuail)... 158 2.3.8 Wörtliche Kommunikations- und Übersetzungsmodelle ....... 163 2.3.9 Relevanz-Theorie (Gutt).............. 175 2.3.10 Christliche Kommunikation – unterschiedliche Zugänge..... 195 2.3.11 Zusammenfassung der Modellübersicht........... 202 3 Modelle der Übersetzung – Kritik und Diskussion.......... 204 3.1 Zaza Projektvorstellung ........... 204 3.1.1 Volk ........ 205 3.1.2 Sprache - Zazaki....... 213 3.1.3 Geschichtlicher Hintergrund ...... 233 3.1.4 Kultur und kulturelle Besonderheiten ..... 241 3.1.5 Das Weltbild – zazaisches Denken kompakt .... 275 3.1.6 Zusammenfassung .... 280 3.1.7 Projektbeschreibung ..... 281 3.1.8 Zusammenfassung der Zaza-Projektvorstellung........... 291 3.2 Übersetzungsmodelle – Praxis und Kritik ... 292 3.2.1 Nidas Äquivalenz-Modell – weit verbreitet aber kritisiert.... 293 3.2.2 Skopos-Modell und funktionaler Ansatz........... 301 3.2.3 Wörtliche Modelle - praktische Überlegungen ............. 307 3.2.4 Relevanztheoretischer Zugang - kritische Betrachtungen zur Praxis................ 313 3.2.5 Kultureller und massenkommunikativer Ansatz in der Praxis........ 320 3.2.6 Weitere Ausbildungsansätze für Übersetzer .... 324 3.2.7 Zusammenfassung der praktischen Umsetzung ............ 327 3.3 Ausbildung – Zukunftsweiser der Modelle............... 330 3.3.1 Entwicklung und Tendenz der Bibelübersetzung (ein Ausblick) ..... 331 3.3.2 Ausbildungspraxis der (Bibel-) Übersetzung ... 334 3.3.3 Empirische Studie zur Ausbildung von Bibelübersetzern ..... 335 3.3.4 Auswahlkriterien (ein praktisches Beispiel)..... 340 3.3.5 Zusammenfassung .... 348 4 Missiologie und Bibelübersetzung ....... 351 4.1 Historische Einbindung der Bibelübersetzung......... 352 4.1.1 Bibelübersetzung - Randphänomen historischer Rückblicke.......... 353 4.1.2 Geschichte der Bibelübersetzung............ 355 4.2 Antrieb und Konsequenz christlichen Handelns...... 376 4.2.1 Bibelübersetzung - Initiator und Antriebsfeder............. 377 4.2.2 Bibelübersetzung - Konsequenz christlicher Entwicklungshilfe ..... 383 4.2.3 Zusammenfassung ......... 387 4.3 Missiologie und Kommunikation......... 389 4.3.1 Interdisziplinäre Bibelübersetzung - kommunikativer Rahmen ...... 389 4.3.2 Missio Dei - missiologisch-theologischer Rahmen ....... 394 4.3.3 Bibelübersetzung - tragfähiges missiologisches Modell ....... 403 4.3.4 Zusammenfassung ......... 423 Epilog – Grundlage der Kommunikation ...... 426 Appendices........... 433 Anlagen ...... 462 Index... 476 Bibliographie ....... 488 Primärliteratur...... 488 Sekundärliteratur ....... 591 Ausführliche Inhaltsübersicht ............ 594
Subject:
Incarnation
Inspiration
Missiology
Science of Bible Translation
science of communication
science of translation
Theology
theories of Bible Translation
Content Language:
Nature of Work: